ErLesenes: Martina Leibovici-Mühlberger: Die Burnoutlüge
Donnerstag, 20. Februar 2014

Was uns wirklich schwächt und wie wir stark bleiben. Wien 2013.
Eigentlich wollte ich es nur durchblättern, mir einen Eindruck verschaffen. Das geht relativ schnell, weil es viele ausführliche Fallbeschreibungen enthält, die ich übersprungen habe. Was Martina Leibovici-Mühlberger über Burnout sagt ist nicht falsch, darum habe ich weitergelesen, aber es ist auch nicht wirklich neu.

Die Grundaussage: Personalisiertes Burnout ist der Gesellschaft lieber, als die wirklichen Ursachen zuzugeben. Wir haben die Kontrolle und Regulierung des Lebendigen auf die Spitze getrieben und knallen damit gegen die Wand. Die Ursachen von Burnout sind nicht in der einzelnen Person und nicht in den Unternehmen allein zu suchen, sondern in einer sinnentleerten Gesellschaft. Der Burnout-Protagonist, der alles „richtig“ machen will und sich dabei selbst verliert, ist die Speerspitze dieser gesellschaftlichen Fehlentwicklung.

Was der Mensch zum sinnerfüllten Leben braucht fasst sie mit „Love – Work – Pray“ zusammen:

Love: Steht für die Einbettung in unser unmittelbares Beziehungsnetzwerk, nicht als Gefühl, sondern als Haltung anderen Menschen, aber auch uns selbst gegenüber; im Besonderen Achtsamkeit, Anteilnahme, Kooperation, Fairness.

Work: Auf der Ebene der Person müssen wir das, was wir tun, als sinnvoll und als uns entsprechend erleben können. Auf der Ebene von Unternehmen bedeutet der Paradigmenwechsel, dass sich Unternehmen wieder als gemeinsame Unternehmung von vielen wahrnehmen, nicht nur als Produzenten von Mehrwert. Eine Gemeinschaft, die etwas Sinnvolles tut.

Pray: Richtet sich an die reflexiven, also rückbezüglichen Fähigkeiten unseres Bewusstseins. Steht für die Einbettung in einen größeren Sinnzusammenhang. In dieser Frage sind wir auf uns selbst zurückgeworfen. Jeder muss sein Leben selbst führen, jeder muss selbst Verantwortung übernehmen und seine Antwort zum Thema Spiritualität finden.

Fazit: Dem was Martina Leibovici-Mühlberger sagt, ist aus meiner Sicht nichts entgegenzuhalten. Leider fehlen die Verstrebungen mit anderen DenkerInnen. Sie schreibt, als ob noch keiner vor ihr – und wesentlich tiefer – diese Thesen behandelt hätte. Keine Literaturangaben, auch im Text kaum Querbezüge. Ohne Fundament fehlt ihren Aussagen die notwendige Verankerung. Es bleibt das unbefriedigende Gefühl zurück, dass es einfach eine Meinung ist, wenn auch mit vielen Fallbeispielen untermalt. Eigentlich schade.

Dr. Martina Leibovici-Mühlberger ist Gynäkologin, Psychotherapeutin und Unternehmensberaterin.

Über Danielle Bidasio

Die gebürtige Luxemburgerin kam zum Psychologiestudium nach Salzburg. Schon in dieser Zeit beschäftigte sie die Frage „Was motiviert Menschen?“ .Seither begleitet sie dieses Thema - als Mitarbeiterin, interne Beraterin und Führungskraft in Social Profit Organisationen und seit 2009 als selbstständige Beraterin bei KOMUNARIKO. Die systemische Psychotherapeutin hat sich strategische und wirtschaftliche Kompetenz beim General Management Studium an der Uni Salzburg und beim Controller-Diplom für NPO am ÖCI in Wien angeeignet. In ihrer langjährigen Arbeit als Personalleiterin eines 600-Personen-Unternehmens beschäftigte sie sich mit den Zusammenhängen von Arbeit, Führung und Motivation; Gesundheit, Stress und Lebensphasen. Ihre praktischen Erfahrungen aus dieser Arbeit und ihr Know-how in diesem Feld (HR-Management, betriebliche Gesundheitsförderung, Arbeitsbewältigungscoaching, Selbstmanagement mit dem Zürcher Ressourcen Modell) bringt sie als Partnerin bei KOMUNARIKO ein. Ihre derzeitigen Arbeitsschwerpunkte: • Gestaltung von Personalentwicklungsprogrammen und –prozessen • Gesundes Arbeiten und Generationenmanagement • Coaching


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