Führung – Selbstführung
Montag, 14. Juli 2014

Mit Führung werden gewöhnlich zunächst expressive Aktivitäten verstanden – also ein Handeln, welches sich nach außen richtet. Nur selten wird damit die stille und oft einsame Seite des Führens, das reflektive Element, verbunden. Und doch funktioniert Führung nur schlecht ohne dieses Betrachten des eigenen Tuns, unter Einbeziehung der ganzen wahrnehmbaren Welt des geführten Organismus.

Rundum wird die Zeit in der westlichen Welt als eine hektische, eine mit hoher Taktung bezeichnet. Schnelle und kurze Zeitsequenzen reihen sich aneinander. Die Voraussetzungen für Reflexion sind also schwierig. Umso wichtiger sind stille Phasen für die eigene seelische Gesundheit. Die vielzitierte „Entschleunigung“, also die Abkühlung, die Verzögerung setzt einen Kontrapunkt in meinem Tag, gibt ihm einen besonderen Rhythmus. Diese Zeit kann zur Tagesphase ‚mit dem inneren Lächeln‘ werden. Dieser einmal gewonnene Rhythmus soll zur eigenen Stärkung führen, die eigene Sicherheit erhöhen, die Widerstandsfähigkeit steigern.

Sich mit sich selbst zu beschäftigen hat auch etwas mit der Achtung von mir selbst zu tun. Ja- ich beschäftige mich mit mir, mit dem was ich für wichtig erkenne, was ich für notwendig halte. Mit den Begründungen für meine Ansichten, mein Tun, mit meinen Zweifeln, meinem Ärger über mich und andere, mit…
Das alles hat Platz in meiner Reflexion. Ich nehme mir Raum. Ich bin berechtigt dafür Zeit zu verwenden, das ist ein wesentlicher Teil meiner Arbeit. Es ist der Teil meiner Arbeit, der mich aussteigen lässt aus dem Rad. Ja, vielleicht jener, der mein Tun zu einem kreativen, gestalterischen werden lässt, zu einem Opus.

Üblicherweise fallen in diesen Zeiten die Entscheidungen. Was danach kommt, ist bloß noch Umsetzung. Natürlich ist auch das noch sehr anspruchsvoll, aber davon soll hier nicht die Rede sein. Wer in seinen Reflexionen gute Fragen stellt, ist in der Lage sich und die Organisation zu fokussieren. Aufmerksamkeit wird auf die momentan wichtigen Dinge gelenkt. Aus dieser Aufmerksamkeit entsteht Energie, Strom, Wille….

Den eigenen Takt finden

Wir wissen aus eigenen Erfahrungen, aus Erfahrungsberichten anderer und aus der Tradition im fernen Osten, dass es für Reflexion Stetigkeit, Übung und Takt braucht. Es braucht also Disziplin, um eine Regelmäßigkeit zu etablieren. Diesen eigenen Takt zu finden ist also die erste Übung. Etwa täglich 15 Minuten, wöchentlich eine Stunde,….
Wer das nicht tut, läuft Gefahr sich nur in Krisen zu reflektieren. Reflexion bekommt damit eine Schlagseite und wird immer mit „Problematischem“ verknüpft. Es ist aber wesentlich Zweiseitigkeit in der Reflexion zu schaffen, also auch das zu betonen, was gelungen ist, gut läuft und Freude macht.

Aus dem bisher gesagten läge der Schluss nahe, Reflexion fände stets nur alleine, mit mir statt. Keineswegs: denn es ist durchaus sinnvoll andere Personen hereinzuholen; gute Erfahrungen habe ich in MitarbeiterInnengesprächen, in denen der Blick auf die eigene Führungsarbeit nicht fehlen darf. Ich ermutige MitarbeiterInnen stets dazu, Wahrnehmungen und Wünsche nach Verbesserung zu artikulieren. Oft stelle ich auch eigene kritische Beobachtungen zur Verfügung.

Das gleiche gilt für Teambesprechungen, die sich in regelmäßigen Abständen dem Thema der Effektivität der Zusammenarbeit und der Führung widmen sollten.

Geeignete Formate gibt es viele

Um derlei Gedanken und Eindrücke zu Tage zu fördern, helfen vertraute Personen – besonders dann, wenn sie gute Fragen stellen können, Dies kann etwa in peer groups geschehen, einem organisierten Austausch von Personen mit ähnlichen Aufgabenstellungen. Supervsionsgruppen, Einzel- oder Gruppencoaching habe ich  in unterschiedlichen Situationen schon als sehr hilfreich erlebt. Besonders in Umbruchsituationen kann ich eine zeitlich begrenzte Zusammenarbeit mit einem Coach sehr empfehlen.

Eine weitere Formfrage muss diskutiert werden: bleibe ich in meinen Gedanken und in meinem Gedächtnis oder schreibe ich auf? Ich kann letzteres nur empfehlen: formuliert wird vieles klarer, manches entlarvt sich, wenn es geschrieben steht. Schriftlichkeit führt oft auch dazu einen gedanklichen Teufelskreis zu verlassen – etwas zu klären, für mich und für diesen Moment festzulegen. Und für viele Fragen habe ich eine Chronik meiner Weiterentwicklung. Die nähere Form halte ich für zweitrangig: ob nun Tagebuch, Zeichenblock, ein Blatt,…

Nützliche Fragen sind:

  • Wie sehen wichtige Gruppen/Personen im Umfeld meiner Arbeit die Situation bzw. meine Führungsarbeit?
  • Was läuft gerade gut und rund / schlecht und unrund?
  • Was ist für meine Aufgabe heute/ in dieser Woche/in diesem Jahr der wichtigste Schritt? Was passiert, wenn ich diesen jetzt nicht setze?
  • Erkenne ich schwache Zeichen an der Wand? Zeichnet sich etwas schon ab, ohne dass es handfeste Belege gibt?
  • Wer kann mich unterstützen? Mit wem kann ich mich vernetzen?
  • Was muss ich nicht mehr tun, um das Wichtige tun zu können?
  • Ist es die richtige Zeit für mein Vorhaben (ist die Zeit reif?)
  • Mache ich zu viel? (zu viele Projekte, zu schnell,….)
  • Habe ich ein gutes Gefühl (im Bauch)? Was macht das schlechte Bauchgefühl aus?

 

Übung und Disziplin

Gerade in der Selbstführung braucht es Rituale. Wie einen guten und  gleichen Ort, eine gleiche Zeit, andere begleitende Umstände,…Es braucht Disziplin es einzuführen. Bei den meisten wird das zunächst heißen, es fest einzuplanen, bis es sich verselbstständigt, bis es einem fehlt, wenn es nicht gemacht wird.

 

Über Michael Nake

Michael Nake ist einer der Gründungsgesellschafter von KOMUNARIKO. Der studierte Jurist hat langjährige Erfahrung im Management von Profit- und Social Profit-Organisationen gesammelt und arbeitet selbst hauptberuflich als Geschäftsführer einer privaten Universität. Als Berater interessieren ihn vor allem Strategie- und Organisationsentwicklungsprozesse und die Konzeption von Führungskräfteentwicklungsprogrammen.


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