Keine Zeit zum Führen
Sonntag, 12. Januar 2014

In dem Punkt sind wir uns wohl Alle einig: Mitarbeiterführung gehört zu den wichtigen Aufgaben einer Führungskraft. Aber dringend?

Dringend sind das Geschäft und alles Elektronische. Was per mail reinfliegt, kommt schnell, klar und mit starkem Aufforderungscharakter. Emails sind auch als Führungstechnik sehr verführerisch, denn damit sind Anordnungen auch gleich nachweislich erteilt und man kann sich getrost wieder den dringenden Dingen zuwenden.

Das entlastet, aber das Problem der Motivation ist dadurch nicht gelöst.

Und wann motivieren Sie?

Zum motivieren ist zumindest dann und wann der persönliche – um nicht zu sagen der menschliche – Kontakt notwendig. Wichtig ist, die Beziehung zu Menschen zu stärken, so Hirnforscher und Managementtrainer Bernd Hufnagl in einem Interview mit dem Standard  Besonders dann, wenn Changeprozesse anstehen.
Der persönliche Kontakt birgt allerdings das Risiko von Missverständnissen, gar von Emotionen.

Keine Zeit für Emotionen

Emotionen kosten Zeit, sie sind unberechenbar und unterspülen die fachliche Kompetenz. Sie haben in einem effizient geführten Unternehmen nichts zu suchen. Zahlen, Daten, Fakten. Schön wär‘s.

Und außerdem gibt es ja das Mitarbeitergespräch. Manchen Firmen ist es gelungen, auch aus diesem Führungswerkzeug jegliche Gefahr von Emotionen zu bannen. Ich habe tatsächlich im Rahmen eines Auftrags zur  Prozessanalyse einen Leitfaden für das Mitarbeitergespräch mit 27 Seiten gesehen – und das bei Schichtarbeitern!

Überflüssig zu erwähnen, dass aus unerklärlichen Gründen, dieses Werkzeug selten zur Anwendung kam. Es ging auch nicht wirklich jemandem ab – außer der Qualitätssicherung, denen fehlte das Hakerl im elektronischen Protokoll.

Vokale und Konsonanten

Mein Stimmtrainer hat mir erklärt, dass Vokale die Emotionen transportieren und Konsonanten die Struktur liefern. Um wirklich etwas zu vermitteln, braucht es beides, Struktur und Emotion.

Ein Tipp unter Gartenfreunden

Versuchen Sie doch mal Ihre Mitarbeiterführung wie Gartenarbeit zu betreiben – alle paar Tage etwas gießen und von Zeit zu Zeit den Boden lockern. Wachsen tun die Pflanzen dann von selbst, man braucht nicht daran zu ziehen. Das spart Zeit. Und das Thema der Motivation stellt sich erst gar nicht.

Und wie viel Zeit nehmen Sie sich zum Führen? Eher Hobbygärtner oder  Emailfreak?

Über Danielle Bidasio

Die gebürtige Luxemburgerin kam zum Psychologiestudium nach Salzburg. Schon in dieser Zeit beschäftigte sie die Frage „Was motiviert Menschen?“ .Seither begleitet sie dieses Thema - als Mitarbeiterin, interne Beraterin und Führungskraft in Social Profit Organisationen und seit 2009 als selbstständige Beraterin bei KOMUNARIKO. Die systemische Psychotherapeutin hat sich strategische und wirtschaftliche Kompetenz beim General Management Studium an der Uni Salzburg und beim Controller-Diplom für NPO am ÖCI in Wien angeeignet. In ihrer langjährigen Arbeit als Personalleiterin eines 600-Personen-Unternehmens beschäftigte sie sich mit den Zusammenhängen von Arbeit, Führung und Motivation; Gesundheit, Stress und Lebensphasen. Ihre praktischen Erfahrungen aus dieser Arbeit und ihr Know-how in diesem Feld (HR-Management, betriebliche Gesundheitsförderung, Arbeitsbewältigungscoaching, Selbstmanagement mit dem Zürcher Ressourcen Modell) bringt sie als Partnerin bei KOMUNARIKO ein. Ihre derzeitigen Arbeitsschwerpunkte: • Gestaltung von Personalentwicklungsprogrammen und –prozessen • Gesundes Arbeiten und Generationenmanagement • Coaching


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