Paradigmenwechsel in der Beratung
Dienstag, 23. Februar 2016

Klientinnen und Klienten, die sich mit Veränderungen im beruflichen oder privaten Bereich beschäftigen wissen meistens sehr genau, was zu verändern ist. Der Verstand sagt, dass mehr Bewegung, eine optimalere Terminplanung, der Start des neuen Projektes angesagt wären. Und am Ende des Tages stellt man fest, dass es „schwierig“ ist. Klassische Beratungsansätze greifen oft zu kurz, da sie fast ausschließlich die Vernunft des Coachees bedienen, aber die emotionale und motivationale Ebene nicht ausreichend systematisch in die Beratung einbeziehen. Wie kann es anders gehen?

Gut gemeinte Empfehlungen wie „Reißen Sie sich am Riemen“ oder „Sie müssen den inneren Schweinehund niederringen“ machen ein Dilemma sichtbar: Selbstkontrolle mit dem Verstand funktioniert nur bei kleinen Aufgaben wie einen Termin vereinbaren, die Belege sortieren oder einem Abendspaziergang bei Schönwetter.

Selbstregulation statt Selbstkontrolle

Haben Sie eine unangenehme Pflicht zu erledigen oder planen Sie eine langfristige Änderung wie beispielsweise das Rauchen aufzuhören, hat sie nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn Sie sie von der Selbstkontrolle in die Selbstregulation überführen können. Das heißt, Verstand und Unbewusstes sind in einem lebendigen und dynamischen Prozess so aufeinander abzustimmen, dass keines der beiden Systeme überrannt oder unterdrückt wird. Wissenschaftlich ausgedrückt, werden Verstand und Unbewusstes auf ein und dasselbe Ziel hin „synchronisiert“.

An der von Maja Storch entwickelten Zielpyramide wird das gut sichtbar. (Abb. Maja Storch, 2015))


Auf der Ergebnisebene formuliert der Verstand zu Beginn der Beratung ein klares Ziel: ich will Arbeit und Freizeit in Balance bringen, ich möchte mit dem Rauchen aufhören,… Die Zielpyramide macht sichtbar, dass aus der Ergebnisebene zuerst eine innere Haltung zu entwickeln ist bevor konkrete Pläne zur Umsetzung gemacht werden können.

Inneres „Go“ durch Mottoziele

Die Haltungsebene beschreibt im „Mottoziel“ die innere Haltung zum Thema. Mit einem projektiven Verfahren wird diese nicht-bewusste innere Haltung ressourcenorientiert zugänglich gemacht, mit dem Verstand synchronisiert und in Sprache gekleidet. Das entstandene Mottoziel erleben Coachees meist als sehr kraftvoll und berührend. Diese innere Kraft drückt sich auch in der Körperwahrnehmung aus. Antonio Damasio hat diese körperlichen Reaktionen als somatische Marker bezeichnet. Sie sind entscheidende „Stop-“ or „Go-“Signale bei Motivationsprozessen. Die innere Stimmigkeit eines Mottoziels erleben Menschen als Gefühl von Entschiedenheit, es gibt ein „Go“.

Auf der Verhaltensebene drückt sich die Veränderung ganz konkret aus. Ein effektives Werkzeug auf dieser Ebene sind die von Peter Gollwitzer entwickelten Wenn-dann-Pläne. Wenn-dann-Pläne nutzen die Fähigkeit des Gehirns, neue Handlungen rasch zu automatisieren und sind hochwirksam, weil sie unbewusste Verhaltensautomatismen verändern. Konkrete Auslösereize werden mit neuen Verhaltensweisen in Form eines Wenn-dann-Planes verknüpft: „Wenn ich eine Zigarette anzünden will, dann nehme ich ein Firn-Bonbon“.

Die drei Ebenen der Zielpyramide ermöglichen auch, während des Prozesses entstehende diagnostische Fragen zügig zu klären, und machen sämtliche Schritte für Coachees nachvollziehbar.

Die gute Nachricht: dieser neue Beratungsansatz ist wissenschaftlich fundiert und systematisch erlernbar. Das Zürcher Ressourcen Modell bietet dazu alle nötigen Werkzeuge.

P.S. Sie arbeiten im Gesundheitsbereich und wollen diesen neuen Beratungsansatz erlernen? Im Herbst startet eine neue Weiterbildung unter der Leitung von Yvonne Küttel und Paul Mörwald: http://www.zrm.komunariko.at/zrm-weiterbildung-gesundheitsziele-erfolgreich-coachen/

Über Paul Mörwald

Die Frage nach Motivbildung und zielgerichtetem , erfolgreichem Handeln ist seit einigen Jahren ein Arbeitsschwerpunkt des zertifizierten ZRM -Trainers, der 2007 die Position des Direktors einer Gesundheits-und Krankenpflegeschule mit der Freiberuflichkeit als Trainer getauscht hat. Aktuell bildet er sich in der PSI-Theorie des Motivationspsychologen Julius Kuhl aus, deren Modulationsannahmen weitreichende Auswirkungen u.a.auf hirngerechtes Arbeiten haben. Als Partner von Komunariko sind seine Arbeitsschwerpunkte Fragen der Resilienz, Intuitionstraining für EntscheiderInnen, lustvolles Selbstmanagement, Stressregulation, Fokusieren statt Multitasking, Teambildung mit NMA und ZRM. Privat ist der Naturliebhaber gerne in den Bergen unterwegs - zu Fuß oder mit seinem Gleitschirm.


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