PSI – der Stein der Weisen in der Motivationsforschung?
Dienstag, 18. Februar 2014

Wenn ein Unternehmer als große Persönlichkeit, ein Controlling-Mitarbeiter als perfekt an seinem Platz oder ein Profisportler als willensstark bezeichnet wird, haben wir eine intuitive Vorstellung davon, was damit gemeint ist. Jeder kennt solche Menschen in seiner Umgebung. Beim Versuch, diese Attribute genauer zu beschreiben, stoßen wir jedoch schnell an Grenzen. Wissenschaftler_innen wie der Osnabrücker Persönlichkeitspsychologe Julius Kuhl machen nun solche Zuschreibungen wissenschaftlich erklärbar. Ja, viel mehr noch. In seiner Theorie der Persönlichkeits-System-Interaktionen (PSI-Theorie) sind bahnbrechende Erkenntnisse zur Frage integriert, was Menschen motiviert und sie befähigt Ziele umzusetzen und ihr Leben, ihren Beruf sinnerfüllt und erfolgreich zu gestalten. Kuhls PSI-Theorie ist derzeit die umfassendste Persönlichkeitstheorie, in der unterschiedliche motivationale, volitionale, kognitive, entwicklungs- und persönlichkeitspsychologische Theorien integriert sind. Für uns ist dabei interessant, wie solch komplexe Vorgänge, etwa das Umsetzen von Vorhaben (Willensbahnung) oder das Integrieren und Nutzbarmachen neuer Erfahrungen (Selbstentwicklung) in die beraterische Praxis Eingang finden können.

Wie ticken wir?

Die Art und Weise, wie wir unsere Pläne und Absichten in Handlung umsetzen, wird von vier Funktionssystemen und ihrer Interaktion beeinflusst. Der Einfachheit halber vergleichen wir diese Funktionssysteme mit einem Computer: das Gehirn hat einen Arbeitsspeicher (Planungsfunktion, Intentionsgedächtnis), eine Festplatte (Ratgeberfunktion, Lebenserfahrung, Extensionsgedächtnis), einen Drucker (Ausführungsfunktion, Intuitive Verhaltenssteuerung) und einen Scanner (Prüffunktion, Objekterkennungssystem).

Mit dem Arbeitsspeicher (Planungsfunktion) planen wir anspruchsvolle Vorhaben und behalten schwierige Absichten im Gedächtnis, bis sie umsetzungsreif sind. Mit dem Drucker (Ausführungsfunktion) können wir Vorhaben und Pläne realisieren. Dieses System ist auch bei automatisierten Handlungsabläufen wie Zähneputzen, Kaffee kochen etc. aktiv. Mit dem Scanner (Prüffunktion) ist es uns möglich, Fehler, Misserfolge oder Unstimmigkeiten wahrzunehmen, wesentliche Lernerfahrungen zu machen und zu integrieren. Dieses System ist Grundvoraussetzung für unsere Persönlichkeitsentwicklung. Die Festplatte (Ratgeberfunktion) beinhaltet unsere gesamte Lebenserfahrung und wirkt weitgehend aus dem Unbewussten. Es kennt unsere Bedürfnisse und die unseres sozialen Umfeldes und ermöglicht kreative, sinnvolle und emotional befriedigende Handlungen.

Diese vier psychischen Systeme bringt die PSI-Theorie in eine dynamische Verbindung mit je einer Affektlage, die es uns ermöglicht, selbststeuernd einzugreifen. Das ist der praxisrelevante  Angelpunkt der PSI-Theorie. Beispielsweise funktioniert der Scanner (Prüffunktion, Objekterkennungssystem) am besten in negativ-ernster Stimmungslage, der Arbeitsspeicher (Planungsfunktion) in sachlich-nüchterner Stimmung. Will man jedoch Geplantes umsetzen, muss man es schaffen, aus der sachlich-nüchternen Stimmung in freudig-positive Stimmung zu wechseln, um genügend „Handlungsenergie“ zu entwickeln. Jeder der schon mal eine Aufgabe vor sich hergeschoben hat, weiß genau, was gemeint ist… Wer also lernt, wie man von einer Stimmungslage in eine andere gezielt wechseln kann, gewinnt an Selbststeuerungskompetenz. Und diese Kompetenz kann erworben und trainiert werden.

Voraussetzung für ein gezieltes Training ist die EOS-Diagnostik (Entwicklungsorientiertes Scanning), mit der sich die Praxisrelevanz der PSI-Theorie erschließt. Detaillierte Analysen ermöglichen das Darstellen von Entwicklungspotenzialen auf verschiedenen Ebenen der Persönlichkeit. Ursachen eines Motivations- oder Selbststeuerungsdefizits oder für Dauerstress werden spezifisch benannt und ermöglichen den Einsatz entsprechender Beratungs- und Trainingsschwerpunkte. Dadurch können wir Menschen dabei begleiten, immer mehr zu Gestaltern ihres Lebens zu werden.

Einsatzmöglichkeiten der EOS-Diagnostik:

  • Persönliche Motivationslagen erfassen und Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen
  • Stressursachen herausfinden
  • Grundlage für Training der persönlichen Selbststeuerungskompetenz

Über Paul Mörwald

Die Frage nach Motivbildung und zielgerichtetem , erfolgreichem Handeln ist seit einigen Jahren ein Arbeitsschwerpunkt des zertifizierten ZRM -Trainers, der 2007 die Position des Direktors einer Gesundheits-und Krankenpflegeschule mit der Freiberuflichkeit als Trainer getauscht hat. Aktuell bildet er sich in der PSI-Theorie des Motivationspsychologen Julius Kuhl aus, deren Modulationsannahmen weitreichende Auswirkungen u.a.auf hirngerechtes Arbeiten haben. Als Partner von Komunariko sind seine Arbeitsschwerpunkte Fragen der Resilienz, Intuitionstraining für EntscheiderInnen, lustvolles Selbstmanagement, Stressregulation, Fokusieren statt Multitasking, Teambildung mit NMA und ZRM. Privat ist der Naturliebhaber gerne in den Bergen unterwegs - zu Fuß oder mit seinem Gleitschirm.


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INHALTE: Resiliente Strategie – Resilienz als Strategie


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