Was bringen schon Entschuldigungen?
Sonntag, 3. November 2013

Die Abhöraffäre rund um die NSA beschäftigt die ganze Welt. Merkel wurde (und wird vermutlich immer noch) abgehört und in Österreich gehen inzwischen 32% der Bevölkerung davon aus, dass ihre Telefonate bereits einmal abgehört wurden.

Während die Reaktionen in Österreich noch verhaltener sind, wird in Deutschland lauthals eine Entschuldigung von den Amerikanern gefordert. Die zieren sich aber ein wenig. Verstehen kann man das vielleicht so, dass in der amerikanischen politischen Kultur eine Entschuldigung als Zeichen von Schwäche verstanden wird. Deswegen dauert es meist recht lange bis eine solche kommt.

Aus systemischer Sicht ist das eine sehr kurzsichtige Sichtweise. (Aber das können wir den Amerikanern gnädigst verzeihen, denn sie sind nicht besonders geübt im systemischen Denken. Dort zählen Helden halt noch etwas! )

Sehen wir es uns an. Wenn ich nach einem unangenehmen Zwischenfall eingestehen muss, dass ich entscheidend zum Unglück beigetragen habe, dann reklamiere ich ja im Nachhinein einen entscheidenden Anteil des Gestaltungsspielraums für mich. Oder anders gesagt: wenn ich eine Situation nicht verschlechtern kann, dann kann ich sie auch nicht verbessern. So gesehen ist es sehr anzuraten immer sich selbst die Schuld zuzuschreiben, denn dann hat man die Macht. Wer die Schuld immer anderen zuschreibt, macht sich selbst zum Opfer und damit hilflos. Will man also Handlungsmöglichkeiten haben, muss man in die Verantwortung gehen.

In Beratungssitzungen verwenden wir diesen Umstand gerne, um mit Kunden ihren Handlungsspielraum zu erkunden.

„Was könnten Sie tun, um den (als unangenehm erlebten) Zustand noch weiter zu verschlimmern?“

Oder, etwas dramatischer:

„Was müssten Sie unternehmen, um dieses Problem in eine Dauerbrenner-Krise zu verwandeln?“

Oder, die blumigste Variante:

„Angenommen, es geschieht ein Wunder. Über Nacht kommt eine Fee und stellt den gewünschten Zustand her. Die Situation hat sich im Nu vollständig zum Positiven gewandelt und Sie wachen am nächsten Morgen auf. Was könnten Sie nun tun, um der Fee doch noch in die Suppe zu spucken?“

Unser Tipp zum kommenden Wochenstart: Schreiben Sie bei der nächsten Auseinandersetzung um Schuld sich selbst die Verantwortung zu. Vielleicht wird sogar Ihr Gesprächspartner überrascht reagieren und gleich ergänzen „Na na, so schlimm ist es auch nicht, ich habe wahrscheinlich auch “ Denn wer ist schon gerne hilflos und ohne Einfluss?

Über Guido Czeija

Guido Czeija gehört seit 2006 zum Team der KOMUNARIKO, seit 2008 auch als Gesellschafter. Czeija studierte Mathematik und Physik in Wien und Berlin, u.a. bei Prof. Zeilinger. Er ist ausgebildeter Gruppendynamiker (ÖGGO) und Kommunikationstrainer (EAK) und beschäftigt sich mit Konfliktmanagement, Team- und Organisationsentwicklung. Besonders interessieren ihn Kooperationen zwischen Unternehmen und in Netzwerken.


Was Sie sonst noch interessieren könnte.

INHALTE: PSI – der Stein der Weisen in der Motivationsforschung?


Kommentar Schreiben

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.